13. Teil: Lach Diamant goes Sachsen

100 Jahre LACH DIAMANT

Als Autor der Zeitschriften „dihw“ und „hp tooling“ hat Horst Lach zwei Serien geschaffen, „Poly-poly“ und „100 Jahre Lach Diamant“. Darin beschreibt er die Wege in eine neue Zeit der Materialbearbeitung mit PKD, CBN usw. bis hin zu den aktuellsten Anwendungen.

Horst Lach, Jahrgang 1940, leitet gemeinsam mit seinem Sohn Dipl.-Ing. Robert Lach das 1922 von Jakob Lach gegründete Unterneh­men LACH DIAMANT.

1984 bis zur Wende – eine deutsch-deutsche Geschichte, vergnüglich erzählt von einem der sich von Sachsen nach Hanau aufmachte.

In meinem vor sechs Jahren, 2019, erschienenen Artikel „Poly-Poly – oder was?“ beschrieb ich den Zustand der Automobilindustrie in der DDR, die unter dem Mangel an polykristallinen Diamant-Zerspanungswerkzeugen für die Motorenfertigung litt. (s. auch 9. Teil „Poly-Poly oder was?“ unter www.lach-diamant.de )

Bereits 1984 entstand zwischen VW und der DDR der Plan, bis 1988 eine komplette Fertigungsanlage für jährlich 250.000 Vierzylinder Polo-Motoren zu bauen, um endlich die spritfressenden 2-Takt-Motoren für Trabant und Wartburg ablösen zu können.

Das Problem: der Polo-Motor war ein Aluminiummotor, den es für eine wirtschaftliche Zerspanung nach polykristallinen Diamanten (PKD) dürstete. Infolge fehlender Devisen musste sich die DDR-Werkzeugfertigung bei der Bearbeitung von NE Metallen, wie Aluminium und Kupfer, mit Hartmetall oder mit in der damaligen UDSSR gepressten Diamant-Komposit-Rundlingen begnügen; unzureichend für die Serienfertigung des Aluminium-Polo-Motors.

Nachdem LACH DIAMANT vor 1988 keinerlei Geschäftsverbindung mit der DDR pflegte, waren wir sehr überrascht, als der Fernschreiber am 15. September 1988 einen Eilauftrag der www.Export-Import Gesellschaft der DDR über ca. viertausend PKD-Wendeschneidplatten ausspie.

Eil-Liefertermin spätestens zu Ende November 1988 – gerade noch rechtzeitig, um auf der Leipziger Herbstmesse den Startschuss für die Eröffnung des neuen Motorenwerkes bekannt geben zu können.

Zu verdanken hatten wir diesen Großauftrag einer Empfehlung von VW, dessen Fertigungslinien für den Polo-Motor in Salzgitter und Braunschweig wir seit Ende der 1970er Jahre als Alleinausrüster betreuten.

Ein Jahr später fiel die Mauer. Es kam die Zeit der Wende. Wie würde es mit der ehemaligen DDR-Wirtschaft nach der Wiedervereinigung weitergehen? Gemeinsam mit dem Produktmanager, Gerd Gottschalk, versuchte ich darauf eine Antwort zu erhalten.

Der dreimillionste Trabant als 4-Zylinder (aufgenommen 1990 im heutigen August Horch Museum in Zwickau)

Wendezeit und erste Anfänge

In dieser Wendezeit besuchten wir mehrmals die Industriezentren. Angefangen von Suhl, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Zwickau, Dresden, Leipzig, Magdeburg bis nach Quedlinburg. Unsere Eindrücke, ohne näher darauf einzugehen, waren zwiespältig. Doch ein Ziel hatten wir – diesem leidgeprüften Land wieder eine bessere lebendige Zukunft zu ermöglichen; dazu gehört nun mal auch eine wettbewerbsfähige Industrie – und Diamanten.

Letztendlich hatte LACH DIAMANT mit der Lieferung von viertausend PKD-Zerspanungswerkzeugen den Anfang gemacht. Nur, was wir herausfanden, in der gesamten ehemaligen DDR-Industrie gab es nur zwei Schärfmaschinen, denen man zutrauen konnte, polykristalline Diamanten zu schleifen. Eine stand bei Heckert in Karl-Marx-Stadt als Versuchsmaschine, die andere bei Zeiss in Jena.

Allein schon für den Service von PKD-Wendeschneidplatten für die Metall-Industrie, geschweige denn für das künftige gedachte Aufkommen von Diamant Werkzeug, waren die vorhandenen fünf Möbel-Kombinate absolut unzureichend.

Deutsches Gold- schmiedehaus in Hanau

Daraus folgernd: um in den neuen Bundesländern die Rolle als Diamant-Werkzeuglieferant „zu festigen“, wird es die Aufgabe von LACH DIAMANT sein, dies mit dem Aufbau eines zentralen Diamant-Schleif-Centers zu untermauern.

Gesagt getan. Der erste Schritt, die Personalsuche und die bescherte uns einen Glücksgriff in der Person von Bernd Straube.

Und nun lassen wir ihn reden, wie alles aus seiner Sicht und das Weitere begann. Dazu mache ich jetzt einen großen Sprung in das Jahr 2022 als LACH DIAMANT im Deutschen Goldschmiedehaus in Hanau den 100. Geburtstag mit vielen Reden feierte. Eine davon war die von Bernd Straube, die wir Ihnen, verehrte Leser, nicht vorenthalten wollen:

„Werte Anwesende, ich bin jetzt am Ende der Redekette.

Für mich gehen heute 32 Jahre zu Ende. Ich habe immerhin 32 Prozent des Entwicklungsweges mitgestaltet und mitbestimmt. Da bin ich auch einigermaßen stolz darauf, dass wir das eigentlich so gut gemeistert haben. Die Anfänge waren schwer. Die 32 Jahre waren nicht nur zum Lachen, wie man vielleicht denken könnte, bei dem Namen. Aber es waren auf jeden Fall einige Jahre.

Es waren interessante, lehrreiche und gute Jahre, aber es waren auch schwierige Jahre. Ich möchte vielleicht die Gelegenheit trotzdem noch nutzen und um Aufmerksamkeit bitten, dass ich noch einen kleinen Rückblick über die 32 Jahre gebe. Vieles ist in Vergessenheit geraten. Ich würde das einfachheitshalber in meiner Muttersprache machen, da ich – wie nicht zu überhören ist – aus dem schönen Freistaat Sachsen komme. Wir haben zwar dort keinen König mehr, aber unsere eigene Sprache haben wir bewahrt. Die wird nicht von jedem geliebt, das weiß ich, aber ich sag immer, das Bayrische und Schwäbische finde ich noch schlimmer.

Ich würde Sie bitten, die nächsten Minuten einmal etwas stark zu sein. Da müssen Sie jetzt durch. In Sachsen wird von bösen Zungen behauptet, dass wir etwas stur sind.

Aber ich würde das vielleicht einmal relativieren. Ich würde sagen, dass wir unsere Meinung vertreten, manchmal etwas lauter als vielleicht nötig, aber im Endeffekt führen viele Wege nach Rom.

Kurz zu meiner Person: Ich habe 1971 bis 1975 an der Technischen Universität Dresden Sektion Werkzeugmaschinenbau/Fertigungstechnik studiert. Ich habe 1975 mit dem Diplom im Bereich Zerspanungstechnik abgeschlossen.

Bernd Straube während seines Vortrages

Ich war von 1975 bis 1990 im Ingenieurbau Elektrogerätewerk tätig. Das war ein Forschungs- und Entwicklungsbetrieb für verschiedene Betriebe in der DDR, die Haushaltsgeräte hergestellt haben, sprich Staubsauger, Rührgeräte, Mixer, Küchenmaschinen. Wir hatten alle Elektromotoren und waren im Bereich der Elektromotorenentwicklung tätig.

Ein Großteil dieser Haushaltsgeräte wurde in die BRD exportiert unter dem Handelsnamen: „Privileg für die Welle“. Aus dem Grund hatten wir eigentlich den Vorteil, dass die Betriebe auch in geringem Maße am Erlös beteiligt waren und wir in moderne Fertigungslinien investieren konnten. Wir hatten im Elektrogerätewerk Suhl eine andere Bearbeitungsanlage von der Firma Micafil in der Schweiz, wo die Kommutatorbearbeitung mit Diamantwerkzeugen erfolgte. Unsere Aufgabe bestand dann darin, die Diamantwerkzeuge, die nur einmalig geliefert wurden, durch Werkzeuge aus eigener Produktion zu ersetzen beziehungsweise die Werkzeuge, die vorhanden waren, im eigenen Bedarf nachzuschleifen. Wir hatten da Hilfe beim Forschungszentrum für Werkzeugmaschinen in Chemnitz, die ähnlich gelagert waren. Die waren das Entwicklungszentrum für die Werkzeugmaschinenindustrie, die in Chemnitz auch stark angesiedelt war. Die waren in Maschinentechnik auch ganz gut ausgerüstet, aber es war ein sehr mühsamer Weg für so einen Nachschliff.

Für einen Drehstahl haben wir ein bis zwei Wochen gebraucht. Es gab zwei oder drei Maschinen in der DDR, eine war im Forschungszentrum in Chemnitz, eine im Kombinat in Jena, die auch einen großen Exportanteil hatten. Wir mussten dann auch diese Werkzeuge ersetzen und hatten sogenannte super harte Schneidstoffe aus der damaligen Sowjetunion. Aber die Bearbeitung wurde immer schwieriger. Wir haben es im gewissen Sinne hinbekommen, aber es war ein hartes Brot.

Dann kam der 11. November 1989. Die Mauer fiel, die Grenzen gingen auf und es herrschte große Euphorie. Am 1. Juli 1990 kam die Währungsunion über Nacht und die Geschäfte wie im Westen. Aber nach kurzer Zeit machte sich auch bemerkbar, dass Sachen herüberkamen, von denen wir noch nichts gehört hatten: Arbeitsamt, Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Das betraf auch meinen Betrieb. Es ging los mit Kurzarbeit, die Aufträge brachen weg. Die Betriebe waren nicht mehr konkurrenzfähig und konnten nichts mehr verkaufen mit der D-Mark. Das ging eigentlich Schlag auf Schlag und da machte sich doch schon eine gewisse Existenzangst breit.

In der „Freien Presse“ in der Tageszeitung las ich eine Annonce: „Lach Diamant Werkzeughersteller sucht Vertriebsmitarbeiter für die neuen Bundesländer.“ Ich wusste, wie das Wort Diamant geschrieben wird und hatte auch schon einige Werkzeuge einmal in der Hand. Ich habe eine Bewerbung nach Hanau geschickt. Nach kurzer Zeit bekam ich ein Telegramm: „Bitte rufen Sie an, wir wollen Sie persönlich im Vorstellungsgespräch in Hanau begrüßen.“ Das war sehr leicht gesagt. 1990 hatte der normal-sterbliche DDR Bürger noch kein Telefon. Das ist jetzt eigentlich unverständlich, aber die Telefone waren vorbehalten für die Polizei, Partei, Stasi und Feuerwehr. Im Betrieb könnte ich auch nicht anrufen. Erst einmal könnte ich nicht sagen, dass ich eine neue Stelle will, dann geht das auch nur über die Personalabteilung. Um 9 Uhr habe ich mich an der Arbeit einmal kurz verabschiedet und gesagt, ich sei einmal kurz außer Haus. Dann bin ich auf die Hauptpost marschiert und hatte ein Gespräch nach Hanau angemeldet.

Um 14.30 Uhr kam der Aufruf für das Gespräch. Ich habe den Hörer abgenommen und sagte: „Hallo?“ Es kam eine scharfe Stimme: „Ja, Stein-Junkuhn Lach Diamant, Sie wünschen bitte?“ „Ich habe ein Telegramm von Ihnen und soll mich hier vorstellen für ein Bewerbungsgespräch.“ „Bleiben Sie einmal dran.“

Kurze Zeit später kam Frau Stein-Junkuhn wieder und sagte: „Herr Lach ist gerade nicht im Zimmer, rufen Sie bitte in einer halben Stunde noch mal an.“ Ich stand kurz vor einem Herzinfarkt und habe ziemlich laut ins Telefon gerufen: „Um Gottes Willen, Sie können nicht auflegen! Ich habe sechs Stunden auf das Gespräch gewartet.“ Die andere Seite hat nichts gesagt, es war Totenstille am Telefon. Ich möchte nicht wissen, was Frau Stein-Junkuhn in dem Moment gedacht hat, was der Typ da faselt. Ich habe immer weiter geredet: „Legen Sie bitte nicht auf, das geht nicht.“

Dann hat sie sich erbarmt und gesagt: „Dann bleiben Sie mal dran.“ Nach geraumer Zeit kam Herr Lach ans Telefon. „Lach, Sie wünschen?“ „Ich sollte bei Ihnen zu einem Vorstellungsgespräch antreten.“ „Ja, dann kommen Sie am Montag um 10 Uhr.“ Dreimal Hallo gesagt bin ich wieder in meinen Betrieb marschiert.

Da war helle Aufregung, weil ich über sechs Stunden weg war. Die dachten, es sei etwas passiert. Es war ein Freitag. Ich bin Montag früh um drei mit einer Kanne Kaffee und einem belegten Brötchen Richtung Hanau gefahren. Mein Navi habe ich mir auf das Lenkrad geklebt, auf einem Zettel Stand A4 bis Eisenach, A7 bis Fürth und A66 nach Mannheim. Zum Glück habe ich einen neuen Meßner Atlas bekommen, da keine Karten vom Westen in der DDR verfügbar waren. Ich bin problemlos durchgekommen und stand um 8 Uhr in der Donaustr. bei der Fa. Lach Diamant. Es sackte alles ab. Ich habe gemütlich meinen Kaffee getrunken, Brötchen genommen und bin seelenruhig hineinmarschiert.

Ich bin in den Vorführraum gekommen. Da wurde ich erst einmal von einem Herrn etwas durchgecheckt, ob ich bisschen weiß, was die Werkzeuge sind. Zu den Kommutator-Drehwerkzeugen konnte ich einiges dann erzählen. Da war das erst einmal erledigt. 

Dann kam nach geraumer Zeit Herr Horst Lach herein und sagt: „Ja, Sie können anfangen. Ich hätte noch eine andere Stelle, Sie können Vertriebsmitarbeiter machen. Aber ich würde gerne eine Schärfstelle in Chemnitz aufmachen, und da suche ich noch einen Schärfstellenleiter. Das würde aber bedeuten, Sie müssen ein halbes, dreiviertel Jahr reine Einarbeitung machen.“ Ich habe nicht lange überlegt. Ich sagte, dass ich mich für die Stelle als Schärfstellenleiter entscheiden würde. Ich kam einfach mehr aus der Praxis, und das klang ein bisschen mehr nach solide.

Herr Horst Lach verschwand danach wieder, kam nach kurzer Zeit herein und sagte:„Hier ist ihr Arbeitsvertrag, unterschreiben Sie. Sie können am 1. Januar anfangen.“ Wir hatten den 18. Dezember. Da stand ich erst einmal da, ich wollte gerne anfangen. Aber mit dem 1. Januar, das schaffte ich nicht mit der Kündigungsfrist. Ich wusste nicht, wann ich freikomme. Da hat er gemunkelt: „Sie haben keine Arbeit, aber dann unterschreiben Sie hier und da lassen wir das Eintrittsdatum frei, sagen Sie Bescheid, wenn Sie anfangen können.“

Dann bin ich wieder mit meinem Wartburg Richtung Osten gedampft. Es war strahlender Sonnenschein, ein wunderschöner Tag. Es war keine Wolke am Himmel und es kam ein Blitz. Ich habe mich gewundert, wo das Gewitter herkam bei dem strahlenden Sonnenschein. Es hat sich nach drei Wochen aufgelöst. Es kam ein Brief vom Regierungspräsidium Kassel mit einem Bußgeld und einem kleinen Bild von mir: „Sie sind in einer 120er Zone 138 gefahren.“ Das waren 80 D-Mark und ein 1 Punkt im Verkehrsregister Flensburg. Das hat natürlich sehr wehgetan, aber das waren die Sachen, die dann auch mitgekommen sind.

Im Endeffekt, Herr Lach hat es gerade schon gesagt, ich hatte eine sehr professionelle Einarbeitung, das hat sehr geholfen. Wir sind dann im Herbst 1991 umgezogen in die Schärfstelle, aber standen dann da und hatten keine Arbeit. Das Projekt, wo wir eigentlich eingestellt werden sollten, diese Werkzeuge in Chemnitz waren verschollen. Da kam uns ein Glücksgriff zu Gute, dass das VW Motorenwerk in Salzgitter, wo die Firma Lach viele Werkzeuge hingeliefert hatte, einen Nachschleifservice suchte. Die haben das in Eigenregie vorher gemacht, dann war einer krank und einer in Rente. Die hatten dort eine große Anzahl Werkzeuge und die Firma Lach wieder eine spontane Entscheidung von Herrn Lach:

„Ja, das machen die Ossis.“

Das war, muss ich sagen, eine Riesenherausforderung. Ich bin dann auch eine Nacht mit meinem Wartburg nach Salzgitter gefahren, hatte auf der Rückfahrt im Kofferraum Werkzeuge im Wert von über 100.000 D-Mark. Das war bisher mein wertvollstes Auto. Dann wurden wir wirklich ins Wasser geworfen, das waren Werkzeuge, die wir noch nie gesehen haben, die wir nachschleifen sollten. Das hatte sich dann eingespielt. Es gab dann jeden Freitag einen Kurier, da mussten die Werkzeuge fertig sein und es kamen neue zum Nachschleifen. Das hat uns die ersten Wochen und Monate fast jedes Wochenende einen langen Atem gekostet. Aber wir haben uns durchgebissen. Es kam auch nicht eine Reklamation von Salzgitter. Im Gegenteil, die haben gesagt, dass die Standzeit deutlich besser ist, als die, die sie selbst nachgeschliffen haben.

So ging dann eigentlich eine Erfolgsgeschichte los. Wir haben dann nacheinander neue Leute eingestellt, es kam neue Technik. Gut ausgebildete Leute waren relativ leicht zu finden. Das waren Bekannte aus dem Forschungszentrum, wie Herr Hänel und Herr Weiß. Das war eigentlich nicht das Problem. Aber das Problem war, dass unsere Schärfstelle zu klein wurde. Wir wussten nicht mehr, wie wir stellen sollen. Da kam Herr Lach zu mir und sagte: „Suchen Sie bitte ein Grundstück in einem Gewerbegebiet, wir wollen bauen. Es sollten ungefähr 10.000 Quadratmeter sein. Da bin ich in die Spur gegangen, bei uns in der Nähe war ein Gewerbegebiet, was relativ gut gefüllt war. Das war auch in Eisenbahnnähe, was auch Voraussetzung war.

Da habe ich dort mit dem Bürgermeister Kontakt aufgenommen und meinen Wunsch vorgetragen. Der sagte, in der Größe, es ist fast alles ausverkauft. Er war dann zu unserem Glück interessiert. Er hat gefragt, was wir machen. Er war 30 Jahre, bevor er Bürgermeister wurde, in einem Werkzeugmaschinenbetrieb Fertigungsleiter, und da hatte er sein Herz noch in der Technik. Er hat sich dort auch auf die Fahne geschrieben, dass in das Gewerbegebiet nur Betriebe kommen, die produzieren. Es kommen keine Lagerhallen, dass dort praktisch im Westen produziert wird, dort zwischengelagert und verkauft wird.

Er wollte das mit produzierendem Gewerbe dort voll machen, so dass die Arbeitskräfte in der Umgebung arbeiten können. Er meinte, dass noch ein Stück, welches vorreserviert war, frei sei. Das waren 7.500 Quadratmeter und man müsste sich innerhalb von 14 Tagen entscheiden, das zu kaufen und den Kaufvertrag aufzusetzen.

Bei dem Kaufvertrag war er uns mit einem Notar behilflich, was damals auch Probleme machte. Es gab nicht genug Notare. Bei dem Bauantrag garantierte er auch, dass dieser schnell durch sei. Ich habe Herrn Lach informiert, der kam dann in der folgenden Woche mit Herrn Troyke nach Dresden im Flugzeug. Dort habe ich sie dann mit meinem – inzwischen – Opel Kadett abgeholt. Das war ein ganz heißer Tag, ungefähr über 30 Grad und die 70 Kilometer waren voller Baustellen. Wir haben in dem Auto sehr geschwitzt und ich habe die Gelegenheit genutzt und zu Herrn Troyke gesagt: „Eine Klimaanlage wäre schon schön.“ Ich muss sagen, es hat geholfen. Mein nächstes Auto hatte eine Klimaanlage. Wie gesagt, das ging problemlos.

Der Kauf ging von statten, war genehmigt und schon im November des gleichen Jahres, drei Monate später rollten die Bagger an und es wurden Erdarbeiten gemacht. Im Juli, August 1996 sind wir in die neue Halle eingezogen. Wir waren inzwischen zehn Mitarbeiter. Wir waren natürlich etwas erschrocken über die Größe, das waren 800 Quadratmeter. Auf einmal wussten wir nicht, wo wir die Maschinen überall hinstellen sollen. Wir wollten schon eine Kegelbahn mit einbauen. Aber es ging dann Schlag auf Schlag. Es kamen immer neue Leute, neue Werkzeuge und es wurde neue Technik angeschafft. Dann kam wieder eine Entscheidung von Herrn Horst Lach, dass er festgelegt hat, die gesamte PKD-Werkzeugproduktion kommt nach Sachsen.

In Hanau im Stammbetrieb ging das Geschrei los. Alle Verantwortlichen haben Herrn Lach bedrängt und gesagt: „Das kannst du nicht machen. Da haben wir keine Kontrolle mehr und die ganze Qualität, und alles…!“ Wer Herrn Lach kennt, der weiß, er hat die Entscheidung getroffen. Man könnte denken, dass er auch ein sturer Sachse ist – und hat gesagt: „Das wird durchgezogen, das schaffen Sie.“ Das war eine unternehmerisch cleane Entscheidung für uns. Es hätte auch schiefgehen können.

Was hat Herr Lach gemacht? Ist ja genügend Platz da, die Halle wurde um das Doppelte verlängert. Bei laufender Fertigung haben wir umgebaut, es wurden Wände heraus gestemmt. Wir hatten eine dünne Folienwand zur Abtrennung. Es war Winter und die Leute haben an der Sache mit dicker Jacke, Mütze und Handschuhen gearbeitet. Das waren schwere Bedingungen, aber wir haben es geschafft. Wir konnten dann auch die Maschinen optimaler stellen und eine ordentliche Vorfertigung haben. Wir konnten die Arretiermaschinen in einen extra Bereich stellen, so dass wir dann auch die zweite Schicht eröffnet haben, dass wir in zwei Schichten arbeiten konnten.

2012 standen wir wieder vor der Entscheidung und wir platzten aus allen Nähten. Wir konnten aber nicht mehr verlängern, aber wir konnten verbreitern. Es wurde in der Breite noch eine gleiche Halle angebaut, auch wieder bei laufender Fertigung. Es wurden Wände herausgeschnitten und gehämmert. Aber, ich glaube, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir haben eine wunderschöne Fertigung in Sachsen, wo auch, denke ich, eine florierende Mannschaft noch ist. Wir sind in der Richtung eigentlich auch stolz, dass wir da 32 Prozent der Geschichte von der Firma Lach noch mitgestalten konnten. Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich besonders zuerst bei Herrn Horst Lach bedanken für den unternehmerischen Mut und das Vertrauen, das er in uns gesetzt hat. Ich schaue mit Zufriedenheit und Stolz auf die 30 Jahre zurück.“

Und ich bedanke mich auch hier nochmals recht herzlich für diesen stimmungsvollen, witzigen, pointierten Vortrag. Derzeit dürfte das Ehepaar Bernd Straube mit dem Wohnwagen als Globetrotter zwischen dem Erzgebirge, der Welt und den Enkeln unterwegs sein.

Rundum mehr zu Werk Sachsen demnächst in „100 Jahre LACH DIAMANT“.

Horst Lach