100 Jahre LACH DIAMANT
Als Autor der Zeitschriften „dihw“ und „hp tooling“ hat Horst Lach zwei Serien geschaffen, „Poly-poly“ und „100 Jahre Lach Diamant“. Darin beschreibt er die Wege in eine neue Zeit der Materialbearbeitung mit PKD, CBN usw. bis hin zu den aktuellsten Anwendungen.
Horst Lach, Jahrgang 1940, leitet gemeinsam mit seinem Sohn Dipl.-Ing. Robert Lach das 1922 von Jakob Lach gegründete Unternehmen LACH DIAMANT.
Stand heute – März 2026 – sind fast vier Jahre nach unserer Jubiläumsveranstaltung im „Deutschen Goldschmiedehaus“ vergangen.
Mit meinen Artikeln über 100 Jahre LACH DIAMANT® bin ich jetzt etwa in der Mitte der achtziger Jahre angelangt.
Ich halte inne und blicke zurück.
Gedankenschwer erlebe ich die letzten vier Jahre – in der Istzeit. Überrascht glaube ich feststellen zu können, was sich in den technisch umwälzenden 80er und 90er Jahren danach nicht mehr so viel verändert hat – wenn wir nicht nur an das Internet, die Computer-Weiterentwicklung inklusive Robotic und an Laser denken.
Verzeihen Sie mir, wenn ich jetzt dies oder das nicht aufgeführt habe. Schließlich führt es alles wieder zurück auf „Diamant“ – das Werkzeug.
Vor dieser Zeit gab es noch keine Serienproduktion (vergessen wir dabei das Modell „T“ von Ford). Die sich auf die numerische NC-Technik aufbauende CNC-Technik wäre ohne Diamant zum Papiertiger geworden. So haben wir die Grundlagen des Diamant-Werkzeuges weiterentwickelt. Unser „Future for Today“.
Die vergangenen vier Jahre haben uns zu mancherlei Nachdenken – und Umdenken gezwungen.
Daran ist nicht nur der Wandel in der Automobil-Industrie – weg vom Verbrenner und hin zum elektrischen Antrieb –
das so genannte E-Auto – der Auslöser. Wir erlebten oder besser überstanden eine Pandemie – und schlimmer, müssen wir Tag für Tag erleben, dass jenseits unserer Grenzen ein mörderischer Krieg tobt und … (ja, das reicht)
Deshalb – und gerne – kehre ich zurück auf ein positives Erlebnis eines Mittelständlers – nämlich die „100 Jahr-Feier“ seines Unternehmens.
Aus meinem Vortrag, den ich auch hätte mit „ein Leben für die Diamant-Industrie“ betiteln können, sprach ich über meinen Vater und Gründer des Unternehmens Jakob Lach (kurz auch LACH DIAMANT® genannt), sein Leben, Familie und Start-up Unternehmen in schwieriger Zeit.
Jakob Lach wäre am 13. September 1922 128 Jahre alt geworden. Als Kind habe ich noch Ende der 40er Jahre und erst recht Anfang der 50er Jahre tausende Karat Diamant – sicherlich einige Kilos – durch seine Hände gehen sehen, fast liebevoll betrachtet, sortiert, gelupt – ja streichelnd, so dass ich manchmal den Eindruck hatte, er spräche insgeheim zu einem Lebewesen – in Jahrmillionen gewachsen – menschengleich – jeder einzelne Diamant ein Unikat, unverwechselbar mit einem zweiten. Nur, dass deren Farbe im Laufe der 50er Jahre wechselte – vom „weiß“ der Schmuckdiamanten – Brillanten – zum „bräunlichen“ oder „gelben“ von Industrie-Diamanten, wie zur Herstellung von Diamant-Werkzeugen, von Diamant-Abrichtwerkzeugen, üblich.
Mit diesem Wandel vom Schmuck- zum Industrie-Diamanten hatte er gleichsam die Änderung des Geschäftszweckes vollzogen.
Als ich begann mich im Zuge der Vorbereitung von „100 Jahre LACH DIAMANT® – der werbliche Kurzname des eingetragenen Firmennamens Jakob Lach GmbH & Co. KG – auseinanderzusetzen, stolperte ich über das Gründungsjahr 1922 – wie war das in dieser schwierigen Zeit von Arbeitslosen, Hunger und galoppierender Geldentwertung möglich – eine Firma zu gründen?
Jakob Lach wurde am 13. September 1894 in Rückingen – heute Erlensee – geboren. Er hatte vier Geschwister, 3 Brüder und eine Schwester. Der älteste Bruder Friedrich starb 1918 an einem der letzten Tage des 1. Weltkrieges in den Vogesen.
Jakob selbst erlebte nach einer Verwundung in den Karpaten das Ende des Krieges in einem Lazarett. Hier – bemerkenswert – teilte ihm ein Arzt mit, dass er aufgrund eines Herzfehlers kein langes Leben zu erwarten habe …
Seine Eltern, die einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb ihr Eigen nennen konnten, siedelten später in den Nachbarort Langendiebach über.
1908 erlernte Jakob Lach in dem sich in Hanau niedergelassenen belgischen Unternehmen Ginsberg & Söhne das Handwerk des Diamant-Schleifens. Dank des umtriebigen Friedrich Houy, der das Schleifen von Diamanten 1887 für Hanau – und letztendlich für Deutschland – wiederentdeckte, sollte es bis zum Beginn des 1. Weltkrieges in und um Hanau – besonders entlang des Kinzigtals – bis zu zwölftausend Diamant-Schleifer und entsprechende Schleifereien, große oder auch kleine als Heim-Familienbetriebe, gegeben haben.
Die Auswirkungen des Krieges, seine Verwundung und fehlende Diamant-Schleifaufträge verhinderten, dass
Jakob seine Tätigkeit als Diamant-Schleifer wieder aufnehmen konnte. Doch er nutzte diese Zeit und ließ sich in der Handelsschule zum Kaufmann ausbilden. Zwar hatte er danach immer noch keine Anstellung als Diamant-Schleifer – dafür aber eine gute Idee. Diamanten zu schleifen wird sitzend vorgenommen – anders als das Schleifen von Achat oder anderen Edelsteinen, das seinerzeit beispielsweise in Idar-Oberstein liegend durchgeführt wurde. Wenn mehrere Diamant-Schleifer bei der Arbeit zusammensitzen, bleibt das gesellige Schwätzchen, wie das seinerzeitige weit verbreitete Rauchen einer Zigarre, nicht aus. Das kannte Jakob Lach aus eigener Erfahrung.
So meldete er im Dezember 1919 in Langendiebach ein eigenes Gewerbe an: Sie ahnen es bereits – „Verkauf von Zigarren“.
Mit dem Fahrrad war er mit eigener Hausmarke „Jakob“ jetzt bei den im Umkreis von Hanau und Kinzigtal liegenden Diamant-Schleifereien unterwegs – um den Schleifern nicht nur seine Zigarren zu verkaufen, sondern dem ein oder anderen auch mal über die Schulter zu schauen – wie er so beim Schleifen mit den von Jakob so geliebten Diamanten zurechtkommt – gut oder schlecht …
So lernte der Diamant-Fachmann auch den guten von den weniger gut geschulten Schleifern zu unterscheiden.
Doch der Niedergang der deutschen Industrie nach dem 1. Weltkrieg ging Anfang der 20er Jahre weiter – und erfasste auch den Zweig der Diamant-Schleifereien. Und dies – obwohl es in Anbetracht der Währungsunterschiede für holländische und belgische Auftraggeber attraktiv gewesen wäre, Schleifaufträge in das damalige Lohnniedrigpreisland Deutschland zu vergeben – Grund: Es fehlte schlicht das „Vertrauen!“
Es muss Ende 1921 gewesen sein, als sich Unternehmer von Diamant-Schleifereien aus dem Hanauer Umkreis zusammensetzten, um Auswege aus diesem existenzbedrohenden Dilemma zu finden. Man einigte sich auf eine Exkursion zu einem potentiellen Auftraggeber nach Amsterdam zu entsenden. Als von allen als neutral akzeptierter Sprecher wurde der junge Jakob Lach ausgewählt – allen gut bekannt, er konnte reden und verstand etwas von Diamanten.
So machte sich eine kleine Reisegruppe mit Sprecher Jakob Lach auf nach Amsterdam zu der bereits seit 1902 renommierten Diamant-Firma des Herrn Joseph Asscher (Amsterdam Royal Asscher Diamond Company), um Aufträge (Schleifware) für weitere Beschäftigung nach Hanau zu holen.
Wie mir mein Vater erzählte, wurden sie persönlich von Herrn Asscher empfangen. Ja, Diamant-Schleifware, um sie in Hanau zu Brillanten zu schleifen, hätte er genug. Er war ernsthaft interessiert. Man könnte sofort eine große Partie mitnehmen. Nur, man sollte ihn verstehen, einer von den anwesenden Hanauern müsste sich verantwortlich zeigen und dafür eine Bürgschaft übernehmen. Nach kurzer Beratung wollte jedoch keiner für den Anderen bürgen. Die Delegation fuhr so unverrichteter Dinge zurück.
Jakob Lach, nunmehr 28 Jahre alt, der alles mit angehört hatte, dachte nach und kam zu dem Entschluss, seinen Vater zu fragen, ob er ihm seinen Erbteil auszahlen könne. Mit einigen Gold-Mark im Gepäck fuhr Jakob Lach nun wieder nach Amsterdam – diesmal alleine. Im folgenden Gespräch mit Joseph Asscher bot er an, mit seinem Erbteil mit (wenigen) Gold-Mark zu bürgen, um somit die für den Erhalt der Arbeitsplätze benötigte Schleifware mitnehmen zu können.
Offensichtlich war Herr Asscher über dieses Angebot des jungen Mannes sehr gerührt. Er sagte etwa als Antwort:
„Sie werden verstehen, dass der von Ihnen angebotene Betrag im Vergleich zum Wert der Ware, die Sie mitnehmen möchten, nicht ausreicht. Doch Sie gefallen mir. Ich vertraue Ihnen. Sie sind mein Mann, Herr Lach!
So kam es, dass Jakob Lach mit einer großen Partie zu schleifender Diamanten in Hanau in einem neuen Büro in der Glockenstraße erschien. Wenn wir so wollen, war dies der Stichtag der Gründung des heutigen Unternehmens Jakob Lach GmbH & Co. KG – beziehungsweise LACH DIAMANT®.
Jetzt konnte Jakob Lach den wartenden Diamant-Schleifereien seinerseits die dringend benötigten Aufträge als Lohn-Schleifaufträge übergeben. In ansonsten schwieriger Zeit des Jahres 1922 hob sich der Stand des Diamant-Schleifers von anderen Handwerkern ab. Diamantschleifer konnten von Jakob Lach ab sofort gut bezahlt werden. Dies dank der Devisen, die er nunmehr aus Belgien und Holland aufgrund der ausgestellten Rechnungen in anderen Währungen bis hin zum US$ erhielt. Von Zeitzeugen wurde berichtet, dass es jetzt Diamant-Schleifer gab, die in dieser Hochzeit der Mitte/Ende Zwanziger Jahre nur vier Tage in der Woche arbeiteten.
In meinen Artikel-Serien „100 Jahre LACH DIAMANT®“ und „Poly – poly – oder was?“ habe ich mich bemüht diesem Anspruch nachzukommen. Es ist dieser Anspruch, der LACH DIAMANT® in vielen Bereichen der Technik, wie dem Schleifen von HSS und gehärteter Stähle, Hartmetall, Keramik, der Zerspanung von Aluminium, Holz- und Kunststoffen, glas- und kohlefaserverstärkten Materialien (Flugzeug- und Windkraft-Industrie) und weitere zum Pionier in Entwicklung und Herstellung von Diamant- und CBN-Werkzeugen werden ließ. Viele Patente zeugen davon.
Bis Ende der 30er Jahre beschäftigte Jakob Lach insgesamt 600 Diamant-Schleifer – davon die Hälfte nunmehr in eigenen Schleifereien in Langendiebach, Niederrodenbach und letztlich in Hanau Ecke Steinheimerstr./Römerstr. – ein wunderschön restauriertes Fachwerkhaus, das leider auch Opfer der Zerstörung Hanaus am 19. März 1945 wurde.
Wenn man so will, hatte der Krieg auch einen großen Teil des Lebenswerkes von Jakob Lach zerstört. 1945 begann der nun- mehr 51-Jährige nach 23 Jahren erfolgreichen Aufbaus eines (kleinen) weitreichenden Diamant-Imperiums bei Null (wie so viele).
Mitte der Fünfziger Jahre fand seine Liebe zu Diamant, als das Härteste aller Materialien, Halt auf dem Wege zur Industrie – dem Diamant als Werkzeug.
Ab dem 1. Oktober 1960 durfte ich ihn auf diesem Weg fortan begleiten.
Bis zu seinem Tod im Jahre 1984 war Jakob Lach ohne Unterbrechung 62 Jahre für das von ihm 1922 gegründete Unternehmen tätig.
Nur für die Statistik. Ich selbst bin – Stand heute 2026 – seit dem 1. Oktober 1960 fünfundsechzig Jahre für LACH DIAMANT® tätig – begleitet seit nunmehr 30 Jahren von meinem Sohn Robert – und, uns beide familiär unterstützend, von meiner lieben Frau Margot und den Töchtern Annabelle, Denise, Ilse und Iris – neun Enkel und zwei Urenkel verharren in Wartestellung …
Der Aufbau eines Unternehmens in heutiger Größe mit dem Stammhaus in Hanau und dem Zweigbetrieb in Sachsen und weltweiten Bedeutung als Pionier des Diamant-Werkzeuges schlechthin ist ohne des Unternehmers Wegbegleiter nicht vorstellbar.
Es würde mir schwerfallen allen diesen Wegbegleitern an dieser Stelle die ihnen gebührende Erwähnung Wert zu schätzen – in Betrachtung meiner über sechzigjährigen Betriebszugehörigkeit zu LACH DIAMANT® wurden Innovationen immer wieder von unterschiedlichen Persönlichkeiten in Teamwork einzigartig zum Leben und Erfolg gebracht.
1981 sollte sich der inzwischen 86 Jahre alte Jakob Lach in einem Video-Film zur Vorstellung der weltweit ersten Technologie, Holz- und Composite-Werkstoffe in der Möbel-, Küchen- und Fußboden-Industrie mit Diamant – dem polykristallinen Diamant-Werkzeug – zu bearbeiten, in einem begeisterten Statement hinreißen lassen:
„Als ich im Jahre 1908 zum ersten Mal in meinem Leben einen Diamant in die Hand nahm, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass eines Tages Diamant als Schneidstoff nicht nur in der Automobil-Industrie sondern auch zur Zerspanung von Holz und Kunststoffen eingesetzt werden kann.“
Dieser historische Videofilm was das „Future for Today“, das die heutige Serienfertigung in der Möbel- und Composite-Industrie mit Diamant im Blick hatte. Für Sie, verehrter Leser, haben wir dieses Video aufbewahrt. Staunen sie noch heute, worüber sich Jakob Lach bereits im Jahre 1981 begeistert hat: Link zum Video: https://bit.ly/LACHDIAMANT
Ihr Horst Lach
Informationen: www.lach-diamant.de